≡ Menu

Was ist ein Konjunkturprogramm?

Das Konjunkturprogramm ist ein Mittel der Fiskalpolitik.

Staaten entscheiden sich nicht selten dafür, Konjunkturprogramme aufzulegen, wenn die Konjunktur anhaltend schwach ist oder massiv einzubrechen droht. Mit dem Konjunkturprogramm will man die Wirtschaft stimulieren.

Derartige Programme werden nicht schon bei gewöhnlichen Konjunkturschwankungen aufgelegt. Damit sie zur Anwendung kommen, braucht es eine ausgewachsene Rezession oder eine lange Phase schwachen Wachstums.

Ein Konjunkturprogramm ist normalerweise zeitlich befristet. Eine Ausnahme sind Steuersenkungen aus konjunkturpolitischen Gründen. Diese werden gegebenenfalls später durch das Parlament o. Ä. zurückgenommen.

Welchen Zweck hat ein Konjunkturprogramm?

Ein Konjunkturprogramm soll die Wirtschaft oder Teile der Wirtschaft stimulieren. Es kann prioritär auf Unternehmen oder private Haushalte abzielen.

In jedem Fall soll es seine Adressaten dazu bringen, mehr auszugeben und zu investieren, um auf diesem Wege die Wirtschaft zu beleben.

Wird ein Konjunkturprogramm aufgelegt, erhöhen sich die Ausgaben des Staates. Ein Teil dieser Ausgabenerhöhung sind jedoch für gewöhnlich sogenannte vorgezogene Maßnahmen. Bei den Ausgabensteigerungen der Haushalte und Unternehmen verhält es sich ähnlich.

Welche Mittel wenden Konjunkturprogramme an?

Wenn der Staat die Konjunktur ankurbeln will, kann er direkte Maßnahmen ergreifen und etwa Straßen bauen oder Gebäude renovieren lassen. Das fördert die Bauwirtschaft.

Der Staat kann die Steuern senken. Dann haben die privaten Haushalte mehr Geld, das sie ausgeben können.

Eine andere Möglichkeit sind Zuschüsse für bestimmte Anschaffungen oder großzügige Abschreibungsmodalitäten.

Der Staat kann auch die Sozialleistungen erhöhen. Dann haben Menschen mit wenig Einkommen mehr Geld in der Tasche. Dies Geld fließt meist in den Konsum und belebt so die Wirtschaft.

Beispiele

2009 führte die deutsche Regierung im Gefolge der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise eine Prämie für die Verschrottung alter Autos ein. Im Volksmund wurde die Prämie als ‚Abwrackprämie’ bekannt. Die Prämie bot Fahrzeugeigentümern einen Anreiz für den Kauf eines Neuwagens.

Ebenfalls auf das Jahr 2009 datiert das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Es enthielt ein Bündel von Maßnahmen zur Konjunkturbelebung. Zum Beispiel wurde der Kinderfreibetrag erhöht und Geschwister bei der Erbschaftsteuer bessergestellt.

Banken und Konjunkturprogramme

Als die Abwrackprämie eingeführt wurde, starteten zugleich Sparkassen und regionale Genossenschaftsbanken ein Sonderkreditprogramm, das sie ‚Konjunkturprogramm’ nannten.

Die Banken gaben günstige Darlehen aus für Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten im Immobilienbereich, unter der Voraussetzung, dass die entsprechenden Aufträge an heimische Handwerker ergingen.

Zunächst sollte dies Sonderkreditprogramm zeitlich befristet bleiben. Es hatte aber so viel Erfolg, dass viele Institute es in ihr Standardkreditsortiment übernahmen.